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Kinesiologischer Muskeltest

vor 3 Stunden
7 Min. Lesezeit

Der Muskeltest ist kein Wahrheitsdetektor

Was ein kinesiologischer Muskeltest zeigen kann und was nicht


Barbara Haag bereitet einen kinesiologischen Muskeltest am Arm vor.
Vorbereitung Muskeltest

Wenn Menschen zum ersten Mal zu mir in die Praxis kommen, haben sie häufig schon etwas über den kinesiologischen Muskeltest gehört. Manchmal begegnet mir dabei die Vorstellung, der Muskeltest könne wie eine Art Lügendetektor funktionieren. Der Körper sage immer die Wahrheit und über den Muskel ließen sich eindeutige Antworten auf alle möglichen Fragen finden. So verstehe ich den Muskeltest nicht. Für mich ist er weder ein Wahrheitsdetektor noch ein medizinisches Diagnoseinstrument. Ich nutze ihn als eine Form des Biofeedbacks innerhalb eines persönlichen Gesprächs. Er kann Hinweise geben, Fragen öffnen und dabei helfen, Zusammenhänge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.


Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Muskeltest. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, der mir gegenübersitzt.


Bewusst wissen wir oft schon sehr viel


Viele Informationen sind uns bewusst zugänglich. Wenn mir beispielsweise übel ist, überlege ich vielleicht zuerst: Was habe ich gegessen? Habe ich etwas nicht vertragen? War das Essen zu schwer? Manchmal finden wir auf dieser bewussten Ebene schnell eine plausible Erklärung. Manchmal kommen wir mit Nachdenken aber nicht weiter. Dann kann die Frage interessant werden, ob es weitere persönliche Zusammenhänge gibt, die im ersten Moment gar nicht bewusst präsent sind. Vielleicht spielen Erfahrungen, Stress, Ängste, Erinnerungen oder erlernte Verhaltensweisen eine Rolle.

In meiner kinesiologischen Arbeit nutze ich den Muskeltest dazu, solche möglichen Zusammenhänge zum Thema zu machen. Dabei ist mir wichtig: Der Muskeltest beweist keine Ursache. Er kann aus meiner Sicht vielmehr einen Impuls geben, genauer hinzusehen.


Wie ich beim Muskeltest vorgehe


Bevor ich mit inhaltlichen Fragen arbeite, führe ich zunächst sogenannte kinesiologische Vortests durch. Das ist für mich wichtig, weil Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in meine Praxis kommen. Manche sind entspannt, andere angespannt oder unsicher. Gerade beim ersten Termin weiß ein Klient oft noch nicht genau, was ihn erwartet. Bei der eigentlichen Testung übe ich einen leichten Druck auf einen Muskel aus, meistens am Arm.

In der kinesiologischen Terminologie sprechen wir dabei vereinfacht von einer stärkeren oder schwächeren Muskelreaktion. Diese Reaktion ordne ich jedoch niemals isoliert ein. Wenn eine Reaktion für mich nicht eindeutig erscheint oder nicht zu dem passt, was wir gerade besprechen, überprüfe ich zunächst den Test selbst. Erst wenn ich die Reaktion als klar wahrnehme, arbeite ich damit weiter. Auch das ist ein wichtiger Unterschied zu der Vorstellung eines Wahrheitsdetektors.


Hand am Arm während eines kinesiologischen Muskeltests
Kinesiologischer Muskeltest


Warum der Muskeltest kein Lügendetektor ist


Der Vergleich mit einem Lügendetektor gefällt mir nicht besonders. Bei einem klassischen Lügendetektortest steht häufig die Frage im Raum: Sagt jemand die Wahrheit oder nicht? Der kinesiologische Muskeltest wird von mir nicht mit diesem Anspruch eingesetzt. Außerdem können Anspannung, Unsicherheit und Stress eine Testsituation beeinflussen. Genau deshalb achte ich während einer Sitzung sehr darauf, ob ein Klient sich sicher und wohl genug fühlt. Wenn eine Muskelreaktion nicht klar erscheint, ist meine Reaktion nicht: „Der Muskel hat gesprochen.“


Dann schaue ich zunächst genauer hin. Manchmal bedeutet das, den Vortest zu wiederholen. Manchmal sprechen wir darüber, was gerade beim Klienten passiert. Und manchmal stellen wir eine Frage einfach noch einmal anders. Allein steht der Muskeltest bei mir nie.


Wenn der Muskeltest etwas zeigt, mit dem der Klient nichts anfangen kann


Auch das kommt vor. Ein Klient sagt beispielsweise: „Damit kann ich überhaupt nichts anfangen.“ Dann ist das für mich ein wichtiger Hinweis. Ich würde nicht sagen: „Doch, der Muskel hat recht.“ Stattdessen schauen wir gemeinsam weiter. Zunächst überprüfe ich, ob ich die Muskelreaktion überhaupt als eindeutig einschätze. Danach können wir untersuchen, ob die Frage vielleicht anders gestellt werden muss oder ob sich im Gespräch ein Zusammenhang ergibt.

Der Muskeltest ersetzt dabei weder das Gespräch noch die eigene Wahrnehmung des Klienten. Genau diese Kombination ist für mich entscheidend.


Der Muskeltest entscheidet nicht, ob Sie Ihren Job kündigen sollten


Eine Frage bekomme ich sinngemäß immer wieder: „Kann ich austesten, ob ich meinen Job kündigen soll?“ Oder: „Kann der Muskeltest sagen, ob ich mich von meinem Partner trennen soll?“ Meine Antwort darauf ist eindeutig: Nein, so arbeite ich nicht. Ich würde nicht testen: „Job kündigen. Ja oder nein?“ Viel interessanter ist die Frage: Warum beschäftigt Sie diese Entscheidung überhaupt? Was stört Sie an Ihrem Arbeitsplatz?


Geht es tatsächlich um den Job oder vielleicht um eine bestimmte Situation, einen Konflikt oder eine Rolle, in der Sie sich nicht mehr wohlfühlen? Ähnlich ist es bei Partnerschaftsthemen. Manchmal gibt es nicht nur die Möglichkeiten „bleiben“ oder „gehen“. Vielleicht gibt es einen dritten Weg, der bisher überhaupt noch nicht wahrgenommen wurde. Hier verbinde ich je nach Situation auch Kinesiologie mit systemischer Aufstellungsarbeit. Der Muskeltest soll einem Menschen die Entscheidung nicht abnehmen. Er kann für mich vielmehr dabei helfen, Fragen zu öffnen.


Die Entscheidung selbst bleibt beim Klienten.


Barbara Haag im Gespräch mit einer Klientin in ihrer Praxis.
Barbara im Gespräch mit einer Klientin

„Hintesten“ statt eine fertige Antwort vorzugeben


In der Kinesiologie verwenden wir manchmal den Begriff „hintesten“. Damit meine ich nicht, dass wir auf eine vorher festgelegte Wahrheit hin testen. Für mich bedeutet es eher: Wir stellen schrittweise Fragen. Nehmen wir beispielsweise eine Sorge. Dann könnten Fragen entstehen wie: Ist das tatsächlich meine eigene Sorge? Kenne ich dieses Denken vielleicht aus meiner Familie? Habe ich eine bestimmte Haltung schon sehr früh übernommen? Solche Fragen lassen sich im normalen Gespräch oft nur schwer beantworten.

Der Muskeltest kann mir in meiner Arbeit einen Hinweis geben, an welcher Stelle es sich lohnt, gemeinsam genauer hinzuschauen. Dabei interpretiere ich eine Muskelreaktion nicht als objektiven Beweis dafür, dass eine bestimmte Ursache gefunden wurde. Sie ist ein Ausgangspunkt für weitere Fragen.


Wenn Menschen sagen: „Ich habe doch schon alles versucht“


Ein Satz, den ich in meiner Praxis häufiger höre, lautet: „Ich habe schon so viel gemacht und trotzdem verändert sich nichts.“ Auch hier interessiert mich zunächst nicht die schnelle Antwort. Ich frage mich gemeinsam mit dem Klienten: Gibt es möglicherweise widersprüchliche Wünsche? Gibt es Ängste vor Veränderung? Gibt es Loyalitäten gegenüber anderen Menschen? Oder Vorstellungen darüber, was man darf und was man nicht darf? In der Kinesiologie gibt es dafür Begriffe wie „psychische Umkehrung“ oder „Sabotagemuster“.

Ich verstehe diese Begriffe als Arbeitsmodelle innerhalb der kinesiologischen Methode. Sie sind für mich keine medizinischen Diagnosen. Interessant wird es dann, wenn ein Klient plötzlich selbst sagt: „So habe ich das noch nie betrachtet.“ Genau an diesem Punkt kann etwas Neues entstehen. Nicht weil der Muskel eine endgültige Wahrheit geliefert hat, sondern weil eine neue Perspektive sichtbar geworden ist.


Der Klient darf jederzeit Stopp sagen


Eine Sorge höre ich vor einer ersten Sitzung gelegentlich: „Was passiert, wenn etwas hochkommt, das ich gar nicht wissen möchte?“ Auch hier ist meine Antwort klar. Der Klient behält während einer Sitzung jederzeit die Kontrolle. Nach meiner Erfahrung braucht es zunächst Vertrauen. Gerade beim ersten Termin arbeiten wir deshalb nicht automatisch an den tiefsten oder schwierigsten Themen. Und wenn wir im Laufe einer Sitzung an einen Punkt kommen, der sich gerade zu groß oder unangenehm anfühlt, können wir dort aufhören.

Dann sagen wir beispielsweise: Für heute reicht es. Wir können dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen, wenn es sich passend anfühlt. Niemand muss in meiner Praxis durch ein Thema hindurchgehen, für das er gerade nicht bereit ist.


Wo liegen die Grenzen der Kinesiologie?


Diese Grenzen sind mir wichtig. Der Muskeltest ersetzt keine medizinische Diagnose. Und Kinesiologie ersetzt keine notwendige ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Kommt jemand mit einer schweren Depression zu mir, kann ich diese Erkrankung nicht mit Kinesiologie behandeln. Ich kann unterstützend begleiten, die fachgerechte Behandlung gehört aber in die Hände qualifizierter Ärzte, Psychotherapeuten oder einer Klinik.

Ähnlich sehe ich körperliche Beschwerden. Wenn Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren, Medikamente oder eine andere medizinische Behandlung erforderlich sind, müssen diese durchgeführt werden. Kinesiologie darf aus meiner Sicht nicht bedeuten, notwendige medizinische Diagnostik zu vermeiden.


Sie sind unsicher, ob meine Arbeitsweise zu Ihrem Anliegen passt? Schreiben Sie mir gerne, was Sie beschäftigt. Wir klären gemeinsam, ob eine Sitzung sinnvoll sein könnte.




Was Biofeedback für mich bedeutet


Wenn ich den Muskeltest als Biofeedback bezeichne, meine ich damit vor allem eines: Ich möchte den Menschen nicht nur über das betrachten, was er mir bewusst erzählen kann. Mich interessiert der ganze Mensch mit seinen Gedanken, Erfahrungen, Wahrnehmungen und Reaktionen. Der Muskeltest ist innerhalb meiner Arbeit eine zusätzliche Rückmeldung. Ich möchte dem Klienten dabei nichts überstülpen. Ich möchte nicht sagen: „Ich weiß, was Ihr Problem ist.“


Vielmehr betrachten wir gemeinsam, welche Fragen, Reaktionen und Zusammenhänge sich ergeben. Der Begriff Biofeedback beschreibt für mich deshalb eine Rückmeldung innerhalb dieses gemeinsamen Prozesses. Er bedeutet nicht, dass der Muskeltest ein medizinisch validiertes Messverfahren oder objektiver Wahrheitsnachweis wäre.


Warum ich trotzdem so gerne mit dem Muskeltest arbeite


Meine Arbeit als Heilpraktikerin und Kinesiologin macht mir wirklich Freude, aus einem einfachen Grund: Ich muss niemandem eine fertige Wahrheit präsentieren. Ich darf jemanden begleiten, während er eigene Zusammenhänge neu wahrnimmt. Manchmal kommt jemand mit großer Schwere in meine Praxis und stellt mitten in der Sitzung plötzlich fest: „So habe ich das noch nie gesehen.“ Diese Momente sind mir wichtig, nicht weil ich gesagt habe, was zu tun ist, sondern weil der Klient selbst eine neue Perspektive gefunden hat.


Ich nenne das gern Selbstermächtigung: wieder stärker auf die eigene Wahrnehmung und die eigene innere Orientierung zu vertrauen.


Eine Voraussetzung ist mir besonders wichtig: Eigenverantwortung


Wer zu mir kommt, darf Themen, Sorgen und Probleme mitbringen. Wir schauen sie uns gemeinsam an. Wegmachen kann ich sie aber nicht. Ich erwarte deshalb eine gewisse Bereitschaft, selbst Verantwortung für den weiteren Weg zu übernehmen. Manchmal gebe ich nach einer Sitzung kleine Aufgaben oder Impulse mit. Denn das, was während einer Sitzung sichtbar oder bewusst geworden ist, darf anschließend seinen Platz im Alltag finden.

Meine Aufgabe endet deshalb nicht mit einer vermeintlichen Antwort des Muskeltests. Im Gegenteil. Eigentlich beginnt die wichtigste Arbeit danach. Der Klient verlässt meine Praxis und entscheidet selbst, was er aus seinen Erkenntnissen macht. Und wenn er später an einen Punkt kommt, an dem er erneut Unterstützung möchte, schauen wir gemeinsam weiter.


Einblick in die Praxis von Barbara Haag in München-Trudering
Praxisraum Barbara Haag - Kraftvoll in Balance

Kinesiologie und Muskeltest in München-Trudering


In meiner Praxis Kraftvoll in Balance in München-Trudering verbinde ich Kinesiologie, persönliches Gespräch und bei Bedarf systemische Aufstellungsarbeit. Der kinesiologische Muskeltest ist dabei ein Werkzeug. Er stellt keine medizinische Diagnose. Und er kennt keine objektive Wahrheit, die Ihnen jemand anderes erklären muss. Er kann jedoch ein Anlass sein, genauer hinzusehen, neue Fragen zu stellen und die eigene Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.


Wie eine Sitzung abläuft und was sie kostet, lesen Sie auf der Seite Ablauf und Preise.


Wenn Sie wissen möchten, ob diese Form der Begleitung zu Ihrem Anliegen passen könnte, können Sie mir über das Kontaktformular kurz schildern, was Sie derzeit beschäftigt.



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